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"Vielleicht George Bernhard Show |
MICKEY - Eine Geschichte die Mut macht.
Mickey ist ein stattlicher Beaucheron-Rüde der auf einem Auge blind ist. Im Alter von 2 Jahren kam er in die Familie Roth/Kiefer. Auf einem Spaziergang kamen die drei am Übungsgelände der Hundeschule vorbei und schauten bei einer Trainingsstunde zu. So kamen wir ins Gespräch und machten einen Termin zum Training aus. Schon in der ersten Stunde zeigte sich, dass Mickey schnell genervt war und zu Übersprungshandlungen und abschnappen gegenüber Menschen neigte. Er war förmlich bei der kleinsten Bewegung innerhalb eines Radius von ca. 3 m um ihn herum auf 180ig. Ebenso auffällig war, dass ihn außer seinen Menschen niemand streicheln konnte - vor allem im Bereich der Lendenwirbelsäule, Hinterläufe und Hintern. So schickte ich sie als erstes zur Abklärung evtl. Schmerzen und/oder Krankheit zum Tierarzt. Dieser bestätigte dann auch den vermuteten innenliegenden Hoden und riet zur Kastration. So wurde Mickey operiert. Nachdem alles gut verheilt war, begannen wir mit dem Training an den Geräten. Seine Konzentration sollte gefördert werden und er sollte lernen, dass die Zusammenarbeit mit dem Menschen Spaß machen kann, denn offensichtlich war er da anderer Meinung. Schon in den ersten Trainingsstunden keimte nach eingehender Beobachtung seines Verhaltens in mir der Verdacht auf, dass Mickey im Schutzdienst auf den "Mann" gearbeitet wurde. Das heisst, dass der Hund nicht nur darauf trainiert wird, in den Ärmel des Helfers zu beissen, sondern dass dieser im Vollschutzanzug an allen Körperteilen vom Hund angegriffen wird. Nach intensiver Nachfrage bei den Vorbesitzern bestätigte sich dieser Verdacht leider auch. Also fingen wir mit der Gerätearbeit an, machten die Trainingseinheiten so kurz, dass er damit zurecht kam und erarbeiteten Fährten mit ihm. Nasenarbeit wurde so zu seinem Steckenpferd. Dabei konnte er sich entspannen und kam von seinem genervten Level schnell herunter. "Spaß statt mieser Laune" war das Motto. Mittlerweile arbeiten Frau Kiefer und Mickey mit Feuereifer immer neue Aufgaben miteinander aus. Wenn Mickey eine Aufgabe bewältigt hat, läuft er mit einem Grinsen auf den Lefzen über das Übungsgelände und ist stolz wie ein Spanier! Er hat verstanden, dass die Bewegungen von Menschen nichts mit einem Angriff auf ihn zu tun haben. Verfällt er dennoch einmal wieder - was sehr selten vorkommt - in eine Übersprungshandlung - weiss Frau Kiefer dies mit einem Beschwichtigungssignal zu stoppen. Bei jedem Hund funktioniert ein anderes besser - bei Mickey ist es das "Kratzen". So stehen wir also auf dem Hundeplatz und kratzen uns. Der Betrachter denkt bestimmt, wir sind einem Flohangriff zum Opfer gefallen. Aber es wirkt - und das ist das Wichtigste. Sogleich versteht Mickey und stellt seine Handlung ein. Auch streicheln ist mittlerweile kein Problem mehr für ihn. Am 20.08.06 machte mir Mickey eines der größten Komplimente, die ein Vierbeiner seinem Trainer machen kann. Ich saß auf einem alten Autoreifen und schaute dabei zu, wie er gemeinsam mit seiner Besitzerin einen Slalom ausarbeitete. Da beschloss er, kurz die Übung zu unterbrechen, kam auf mich zu, schaute mich an und leckte mir über das Gesicht. Dann drehte er sich wieder um und beendete seine Übung - kurz, trocken - eben wie es seine Art ist. Eine solche Zuwendung von einem Hund, der Menschen aufgrund seiner Erfahrungen auf Abstand halten wollte, ihnen misstraute und als potenziell gefährlich eingestuft hatte! Einmal mehr bestätigte sich meine Meinung: Alle Hunde haben es verdient, dass man an sie glaubt! Diese Geschichte soll denjenigen Mut machen, denen erzählt wird, ihrem Hund sei eh nicht mehr zu helfen. Der Weg ist das Ziel - man muss nur den Mut und die Zuversicht haben, ihn gemeinsam zu gehen! Das Mickey-Kiefer-Team ist in der Zwischenzeit zu Stammkunden in meiner Hundeschule geworden und ich freue mich auf weitere ereignissreiche Übungsstungen mit den Beiden. |
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