![]() |
|
|
|
![]() |
|
"Kauf Rudyard. Kipling |
Sully - "Der Schnatz"
Eines Tages bekam
ich einen Anruf einer jungen Frau, die mir am Telefon schilderte, sie
habe aus dem Tierschutz einen sehr ängstlichen Welpen geholt und sie
wolle in eine Welpengruppe mit ihm. Wir vereinbarten einen Termin damit
ich den Hund kennenlernen konnte. Leider sagte sie mir wegen Krankheit
diesen Termin einige Tage später ab. Als ich das erste mal meinen kleinen „Schnatz“ (so nenne ich ihn mittlerweile) sah, und hörte, was ihm in der Zwischenzeit von einer anderen Trainerin widerfahren war, schämte ich mich für diese sogenannten „Kollegen“, die denken, sie hätten Fachwissen über Hunde und maßen sich an, diese zu „trainieren“. Sully war mit seiner Mutter und seinem Bruder in der Welpenzeit, in genau der für ein Hundeleben prägenden Zeit in einem Zimmer eingesperrt. Folglich kannte er keinerlei Umweltreize und hatte sich das verängstigte Verhalten seiner Mutter eingeprägt und als wichtig und richtig verinnerlicht. Die leisesten Geräusche, alltägliche Dinge waren für ihn furchteinflößende, lebensbedrohliche „Hindernisse“. Besagte Hundetrainerin sah das ins Abwehrverhalten gekippte ängstliche Verhalten des Hundes und deutete diese als Dominanz. Sie erklärte der Hundehalterin, ihrem Hund müsse mal einer zeigen, wer hier der „Boss“ ist und sagte, sie solle einen Moment warten, sie holt ihren Hund. Bei diesem handelte es sich um einen pupertierenden Rottweilerrüden. Sully ist ein zierliches Kerlchen, geplagt von Ängsten stand er jetzt diesem Koloss gegenüber, der ihn einfach mal ohne es zu merken über den Haufen rumpelte. Sully´s schlimmste Befürchtungen waren wahr geworden. Nicht nur dass er die Lernerfahrung machte, andere Hunde tun weh und sind negativ, nein, sein Mensch, dem er anfing zu vertrauen, stand dabei und verhinderte dies nicht. Man muss sich einmal in die Lage des Hundes versetzen, was dies für IHN bedeutete. Jeder der mich kennt, weiß, dass ich ein bekennender Rottweilerfan bin. Es lag nicht am Hund, dass diese Begegnung so schlecht verlief, dies allein geht nur auf die Rechnung der „Hundetrainerin“. Wenn man so wenig von Hunden und ihrem Verhalten weiß, sollte man schleunigst die Finger vom Hundetraining lassen oder sich endlich fachlich korrekt weiterbilden. Also da stand er nun vor mir, mit weit aufgerissenen Äuglein und seinem Frauchen, die ihm offensichtlich helfen wollte, aber nicht wusste wie. Wir erstellten eine Trainingsplan um ihm Selbstvertrauen zu geben. Am Anfang war es sehr schwer, kaum hatte er eine Situation für sich gemeistert, kam der nächste Umweltreiz und er verlor wieder völlig die Fassung. Das tolle daran war, das die Geduld seines Frauchens schier unendlich schien…. Na, dann hat´s jetzt halt nicht geklappt, das wird beim nächsten Mal besser, das kriegen WIR schon hin. Die Betonung lag immer auf dem WIR. Ich beglückwünsche heute noch den kleinen Kerl für sein ruhiges, geduldiges und wissbegieriges Frauchen. Wir arbeiteten über positive Verstärkung und allmählich konnte man sehen, wie das Eis schmolz. Er konnte immer mehr und mehr Umweltreize bewältigen und in den Gruppenstunden mitlaufen. Aus dem kleinen ängstlichen Kerl wurde ein frecher, aufgeweckter Fratz der sich im Moment auf seine erste Begleithundeprüfung vorbereitet. Es gibt immer noch Momente, die zu bewältigen ihm schwerfallen, aber er weiß, er kann sich auf sein Frauchen verlassen, die weiß was zu tun ist. Ich freue mich immer sehr auf die Stunden mit Sully und Aileen. Wenn wir uns begrüßen pinkelt er vor Freude dauernd meine Schuhe oder meine Hosen an, da er fast in mich „reinschlüpft“.
Aber was ist schon
eine nasse Hose im Gegensatz zu diesem Vertrauensbeweis eines Hundes der
über sich hinausgewachsen ist? Sully ist mein persönlicher „Schnatz“, er
hat diesen Namen von mir bekommen, da er wie der Schnatz aus Harry
Potter immer überall und nirgends ist, klein, quirlig, schnell und süß
und mit einem ganz eigenen Charme ausgestattet, dessen man sich nicht
entziehen kann. Er ist immer fröhlich und super drauf, lacht und hat
immer den Schalk im Nacken. Er verkörpert für mich die pure
Lebensfreude.
|
|
|