"Kauf
einen
jungen
Hund
und
du
wirst
für
dein
Geld
wild
entschlossene
Liebe
bekommen.!

Rudyard. Kipling

 

Sully - "Der Schnatz"

Eines Tages bekam ich einen Anruf einer jungen Frau, die mir am Telefon schilderte, sie habe aus dem Tierschutz einen sehr ängstlichen Welpen geholt und sie wolle in eine Welpengruppe mit ihm. Wir vereinbarten einen Termin damit ich den Hund kennenlernen konnte. Leider sagte sie mir wegen Krankheit diesen Termin einige Tage später ab.
Ich weiß noch wie heute, wie ich auf meinen Terminkalender schaute und mir ausrechnete, wann sie wieder anrufen würde. Ich war der Überzeugung, sie würde sich in nächster Zeit sicherlich noch auf einem Hundeplatz umschauen. Ich dachte so bei mir….“Spätestens in 4 Wochen ruft sie nach der mir geschilderten Problematik wieder an….
So vergingen die Tage und fast genau 4 Wochen später klingelte mein Telefon. Es meldete sich am anderen Ende besagte Hundehalterin. So wurde ein neuer Termin vereinbart.

Als ich das erste mal meinen kleinen „Schnatz“ (so nenne ich ihn mittlerweile) sah, und hörte, was ihm in der Zwischenzeit von einer anderen Trainerin widerfahren war, schämte ich mich für diese sogenannten „Kollegen“, die denken, sie hätten Fachwissen über Hunde und maßen sich an, diese zu „trainieren“.

Sully war mit seiner Mutter und seinem Bruder in der Welpenzeit, in genau der für ein Hundeleben prägenden Zeit in einem Zimmer eingesperrt. Folglich kannte er keinerlei Umweltreize und hatte sich das verängstigte Verhalten seiner Mutter eingeprägt und als wichtig und richtig verinnerlicht. Die leisesten Geräusche, alltägliche Dinge waren für ihn furchteinflößende, lebensbedrohliche „Hindernisse“.

Besagte Hundetrainerin sah das ins Abwehrverhalten gekippte ängstliche Verhalten des Hundes und deutete diese als Dominanz. Sie erklärte der Hundehalterin, ihrem Hund müsse mal einer zeigen, wer hier der „Boss“ ist und sagte, sie solle einen Moment warten, sie holt ihren Hund.

Bei diesem handelte es sich um einen pupertierenden Rottweilerrüden. Sully ist ein zierliches Kerlchen, geplagt von Ängsten stand er jetzt diesem Koloss gegenüber, der ihn einfach mal ohne es zu merken über den Haufen rumpelte. Sully´s schlimmste Befürchtungen waren wahr geworden. Nicht nur dass er die Lernerfahrung machte, andere Hunde tun weh und sind negativ, nein, sein Mensch, dem er anfing zu vertrauen, stand dabei und verhinderte dies nicht. Man muss sich einmal in die Lage des Hundes versetzen, was dies für IHN bedeutete.

Jeder der mich kennt, weiß, dass ich ein bekennender Rottweilerfan bin. Es lag nicht am Hund, dass diese Begegnung so schlecht verlief, dies allein geht nur auf die Rechnung der „Hundetrainerin“. Wenn man so wenig von Hunden und ihrem Verhalten weiß, sollte man schleunigst die Finger vom Hundetraining lassen oder sich endlich fachlich korrekt weiterbilden.

Also da stand er nun vor mir, mit weit aufgerissenen Äuglein und seinem Frauchen, die ihm offensichtlich helfen wollte, aber nicht wusste wie.

Wir erstellten eine Trainingsplan um ihm Selbstvertrauen zu geben.

Am Anfang war es sehr schwer, kaum hatte er eine Situation für sich gemeistert, kam der nächste Umweltreiz und er verlor wieder völlig die Fassung.

Das tolle daran war, das die Geduld seines Frauchens schier unendlich schien…. Na, dann hat´s jetzt halt nicht geklappt, das wird beim nächsten Mal besser, das kriegen WIR schon hin. Die Betonung lag immer auf dem WIR. Ich beglückwünsche heute noch den kleinen Kerl für sein ruhiges, geduldiges und wissbegieriges Frauchen.

Wir arbeiteten über positive Verstärkung und allmählich konnte man sehen, wie das Eis schmolz. Er konnte immer mehr und mehr Umweltreize bewältigen und in den Gruppenstunden mitlaufen. Aus dem kleinen ängstlichen Kerl wurde ein frecher, aufgeweckter Fratz der sich im Moment auf seine erste Begleithundeprüfung vorbereitet. Es gibt immer noch Momente, die zu bewältigen ihm schwerfallen, aber er weiß, er kann sich auf sein Frauchen verlassen, die weiß was zu tun ist. Ich freue mich immer sehr auf die Stunden mit Sully und Aileen. Wenn wir uns begrüßen pinkelt er vor Freude dauernd meine Schuhe oder meine Hosen an, da er fast in mich „reinschlüpft“.

Aber was ist schon eine nasse Hose im Gegensatz zu diesem Vertrauensbeweis eines Hundes der über sich hinausgewachsen ist? Sully ist mein persönlicher „Schnatz“, er hat diesen Namen von mir bekommen, da er wie der Schnatz aus Harry Potter immer überall und nirgends ist, klein, quirlig, schnell und süß und mit einem ganz eigenen Charme ausgestattet, dessen man sich nicht entziehen kann. Er ist immer fröhlich und super drauf, lacht und hat immer den Schalk im Nacken. Er verkörpert für mich die pure Lebensfreude.
Seine Botschaft an alle Menschen ist: „Es geht immer weiter, das Leben ist trotz Hindernissen schön und lebenswert“. In seiner Gegenwart schlechte Laune zu haben geht einfach nicht. Wenn man mit Hunden arbeitet, wachsen sie einem im Laufe der Zeit ans Herz wenn man wie ich mit Leib und Seele Hundetrainer ist .
Aber dieser kleine Kerl ist irgendwie noch ein wenig weiter gegangen……….